Orte und Worte – Inspirierende Schreib-Orte

Podcast

Orte und Worte: Literaturschaffende an ihren Lieblingsorten

Ein Buch, ein Ort, eine Begegnung: Wir sprechen mit Autorinnen und Autoren über ganz persönliche Themen, ihre aktuellen Bücher, das Schreiben und die kreative Arbeit. Und das immer an einem ungewöhnlichen Ort.

Mit Tilman Birr auf den Spuren von Loriot in Berlin-Charlottenburg

"Wie sind Sie hier reingekommen?" ist nicht nur ein Zitat aus einem Film von Loriot, sondern auch der Titel des neuen Romans von Kabarettist, Musiker, Lesebühnen-Autor und Schriftsteller Tilman Birr. Er erzählt darin von einem jungen Mann, der mit 20 aus der Provinz nach Berlin zieht und sich hier durch einen Zufall mit Vicco von Bülow anfreundet – ohne zunächst zu wissen, dass er es mit dem berühmten Komiker Loriot zu tun hat. Das Buch ist ein witziger Ritt durch die Nullerjahre in der Hauptstadt, ein Berlin-Roman, eine Satire und eine Loriot-Hommage. Nadine sagt: "Ich musste wirklich mehrfach laut loslachen beim Lesen". Sie ist mit Tilman Birr zum ehemaligen Wohnhaus von Loriot gegangen und hat mit ihm über Humor, Lesebühnen, Berlin und Bücher gesprochen.

Deniz Ohde entspannt sich in der Leipziger Stadtbücherei

Bibliotheken sind für Deniz Ohde zum einen Orte der Entspannung und zum anderen Orte zum Arbeiten. Schon als Kind war die Bücherei ein Lieblingsort für die Schriftstellerin. Mittlerweile stehen ihre eigenen Werke in den Regalen zum Ausleihen. Deniz lebt seit 2011 in Leipzig und nimmt Nadine mit in die Stadtbibliothek. Gemeinsam machen sie sich auch auf die Suche nach anderen Büchern, die sie empfehlen möchten.

Mit Elias Hirschl im Wiener Café Jelinek 

Elias Hirschl hat einen dystopischen Roman geschrieben, der auf alte Bergbau-Industrie die neue Start-Up-Welt setzt. In "Content" geht es um die Produktion von sinnlosen Inhalten für eine Internet-Welt, in der es vor allem um eins geht: Aufmerksamkeit. Stephan Ozsváth hat ihn im Wiener Café Jelinek getroffen, wo Elias Hirschl auch schreibt. Ein Gespräch über die perversen Blüten von Internet- und Startup-Kultur, Schreibstrategien und über das Musikmachen während der Pandemie.

Im Messetrubel mit Nora Krug

Als am 24. Februar 2022 der Großangriff auf die Ukraine begann, hat Nora Krug Kontakt aufgenommen zu zwei Menschen: einer ukrainischen Journalistin aus Kiew und einem russischen Künstler aus St. Petersburg. Ein Jahr lang begleitet sie die beiden mit Texten und Illustrationen – jetzt erschienen als "Im Krieg. Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg".

Anne-Dore hat Nora Krug am Stand des Penguin Verlags auf der Leipziger Buchmesse getroffen und mit ihr gesprochen: über visuellen Journalismus, Illustrieren und Beleuchten, über Mitläufertum und Graubereiche und kollektive Schuld – und warum es sie immer wieder beschäftigt, wie einzelne Menschen zum Lauf der Geschichte beitragen.

Auf der Leipziger Buchmesse mit Dilek Güngör

Vor einem Jahr haben wir unseren rbb Bücher-Podcast zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse präsentiert. Nun kehren wir mit vielen Folgen im Gepäck zurück. Nadine spricht mit Dilek Güngör über "A wie Ada", das neue Buch der Schriftstellerin und Journalistin, die 1972 in Schwäbisch-Gmünd geboren wurde und in Berlin lebt. Bekannt wurde sie mit ihren Zeitungskolumnen über ihre deutsch-türkische Familie. Für "Vater und ich" war sie 2021 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

"A wie Ada" erzählt in Miniaturen, Szenen, Anekdoten und Erinnerungen das Leben einer Frau zwischen der Sehnsucht nach Zugehörigkeit und der Suche nach einem eigenen Weg. Zwischen Herkunft und Zukunft, Fremd-Sein und Geborgenheit.

Mit Paula Fürstenberg im Berliner Techno-Club "About Blank"

Tanzen und Schreiben sind zwei Gegensätze, die sich anziehen, sagt Paula Fürstenberg. Beides ergänze sich gut und schaffe einen Ausgleich, den sie brauche. In ihrem neuen Roman "Weltalltage" erlebt die Erzählerin einen Moment der Befreiung auf dem Dancefloor. Sie leidet unter einer chronischen Krankheit und erlebt ihren eigenen Körper hier von einer ganz neuen Seite.

Deshalb lag es für Nadine und Paula auf der Hand, die Nähe einer Tanzfläche zu suchen. Sie haben sich im Techno-Club "About Blank" in Friedrichshain getroffen, im Osten von Berlin, und sich über Körper, Körpersprache und Krankheit unterhalten, übers Tanzen, die Liste als Literatur, über Nachwendekinder und Freundschaft als Familienmodell.

Mit Stefanie Sargnagel im Wiener Gürtel-Kaffeehaus Weidinger

Iowa - ein Ausflug nach Amerika. So heisst das neue Buch von Stefanie Sargnagel. Die Bestsellerautorin aus Österreich hat einen Arbeitsaufenthalt im Mittleren Westen, bei dem sie von der Berliner Musikerin Christiane Rösinger begleitet worden ist, zu einem Buch gemacht. Heraus kam eine Art Reisereportage im unverwechselbaren Sargnagel-Stil (lakonisch, witzig, mit dem Blick für´s Absurde, aber auch das Soziale), Frauen-WG-Report und Expedition in das echte Amerika. Stephan Ozsváth ist mit der Wienerin abgetaucht in ihre Kindheit am Wiener Gürtel, ihre kollektive Schreibpraxis im Kaffeehaus und die Abgründe menschlicher Existenz bei der Telefonauskunft.

Hans-Gerd Koch blättert im Fotoalbum der Kafkas

In Berlin kann man jetzt im Fotoalbum der Familie Kafka spazieren gehen: Der Kafka-Forscher und Autor Hans-Gerd Koch hat Originalfotos von Franz Kafka im Kreis seiner Familie zusammengestellt. Bevor die Ausstellung in der Staatsbibliothek Unter den Linden offiziell die Tore öffnete, hat er Anne-Dore durch die Räume geführt. Sie sprechen über Kafkas Verhältnis zu seiner Familie, betrachten das vermutlich letzte Foto, das von Kafka aufgenommen wurde (im Kaufhaus Wertheim in Berlin), und Hans-Gerd Koch erzählt, warum er auch fast schon zur Familie Kafka gehört.

Michael Köhlmeier im Wiener Literatencafé "Sperl"

In den 1920er Jahren schickten die Bolschewiki Hunderte Intellektuelle auf sogenannten "Philosophenschiffen" ins Exil, um sie später nicht umbringen zu müssen, wie Trotzki erklärte. Auf einem solchen Schiff ist auch die Hauptfigur des Romans, eine 14-Jährige aus St.Petersburg, die mit ihren Eltern ins Exil geht. Auf dem Oberdeck entdeckt sie einen prominenten Fahrgast: Es ist Lenin selbst. Sie wird Zeuge des – fiktiven – Mordes an Lenin. In den Gesprächen mit ihm entpuppt er sich als paranoider alter Mann, gezeichnet von Schlaganfällen und Misstrauen. Mittlerweile ist aus der 14-Jährigen eine greise Stararchitektin geworden. In Rückblenden erzählt sie im vornehmen Wiener Bezirk Hietzing einem Schriftsteller – dem Alter Ego Michael Köhlmeiers - ihr bewegtes Leben. Stephan Ozsváth spricht mit dem Autor Michael Köhlmeier über seinen neuesten Roman "Das Philosophenschiff", wieviel Lenin in Putin steckt, das Leben als Schriftstellerpaar und den frühen Tod seiner Tochter Paula.

Nachtspaziergang mit Alem Grabovac

Smilja träumte eigentlich von einem angenehmen Ruhestand, nach einem Leben als jugoslawische Gastarbeiterin am Fließband, begleitet von zweifelhaften Männern. Der Vater von Alem Grabovac ist ein bosnischer Säufer und Taschendieb und für die Kinderbetreuung denkbar ungeeignet. Und so gibt Smilja ihren Sohn Alem zu deutschen Pflegeeltern. Ein neuer Mann taucht auf, Dušan. Er säuft, er ist gewalttätig. Als er stirbt, bricht Smiljas Welt zusammen. Sie hört seinen Geist im Schrank, wendet sich einem kroatischen Wunderheiler zu, der vorgibt, nur durch seinen Blick zu heilen. Ein Buch über Heimat, Hoffnungen, und Herausforderungen in der Fremde.

Mit Mely Kiyak im Maxim Gorki Theater

Mely Kiyak ist gerade in aller Munde, weil die Schriftstellerin 2022 gesammelte Kolumnen unter dem Titel: "Werden Sie uns mit dem FlixBus deportieren?" veröffentlicht hat. Darin denkt sie über Rechtsextremismus, rechte Radikalisierung und ihre Folgen nach, lange bevor die Correctiv-Recherchen öffentlich geworden sind. Das Buch zur Stunde, sagen gerade viele. Mely Kiyak aber hat aufgehört, politische Kolumnen zu schreiben. Warum, erzählt sie Nadine im Maxim-Gorki-Theater, dem Ort, dem sie sich künstlerisch und menschlich verbunden fühlt. Vor allem aber reden die beiden über Melys neuen Roman: "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an". Nach "Frausein" von 2020 erzählt die Schriftstellerin hier von einer Vater-Tochter-Beziehung und dem Kampf gegen Krebs.

Mit Lene Albrecht am May-Ayim-Ufer in Berlin über Kolonialismus sinnierend

Die Spuren des Kolonialismus sind auch in Berlin überall zu finden – wenn man danach sucht. Die Schriftstellerin Lene Albrecht zeigt Nadine eine Anlegestelle aus dem 19. Jahrhundert am Spreeufer in Friedrichshain-Kreuzberg.

Von hier legten einst Boote ab, um Berlinerinnen und Berliner 1896 in die Kolonialausstellung im Treptower Park zu bringen, wo Menschen ausgestellt wurden wie im Zoo. Auf diese Geschichte ist Lene Albrecht bei den Recherchen zu ihrem neuen Roman "Weiße Flecken" gestoßen. Darin reist eine junge Berlinerin nach Togo um zu Fluchtursachen und Migration zu forschen und wird mit den Folgen des Kolonialismus konfrontiert. Schon bald befragt sie vor allem sich selbst und ihre Identität als weiße Europäerin. Lene Albrecht war selbst eine Zeitlang in Togo und verfolgt in ihrem Roman auch Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte.

Grenzgänge: Mit Iris Wolff an der Gedenkstätte Berliner Mauer

"Bücher sind Archive gegen das Vergessen", sagt Iris Wolff und kehrt selbst in ihren Romanen immer wieder zurück an Orte ihrer Kindheit: Rumänien, Siebenbürgen, ins Banat. In ihrem neuen Roman "Lichtungen" erzählt sie von Lev und Kato und ihrer engen Verbindung über Jahrzehnte und vom Aufwachsen hinter dem Eisernen Vorhang. Wie lebt es sich in einer Diktatur? Wie sehr wird das private Leben, das Lieben davon geprägt? Und wenn eine Grenze aufgeht, sollte man sie dann überschreiten?
Anne-Dore und Iris Wolff treffen sich an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße und sprechen über Erinnerung und Recherchereisen, über Geschichten, die mitauswandern und die Frage, warum Wolff den Roman dieses Mal rückwärts erzählt hat. Am Ende steigen sie gemeinsam auf den Aussichtsturm und sehen hinab auf einen Original-Abschnitt des früheren Grenzstreifens.

Unterwegs in der Markthalle mit Nataša Kramberger

Die Bäume blühen zur Unzeit, die Flüsse treten über die Wasser, der Himmel öffnet seine Schleusen, Waldbrände, Stürme, Dürre, Hitze. Der Klimawandel zeigt sich überall, auch in Slowenien, wo Nataša Kramberger einen Biobauernhof betreibt und Umweltkurse veranstaltet. Im Winter lebt sie in Berlin und schreibt. Dieser Essay ist ein poetisches Plädoyer für einen partnerschaftlichen Umgang mit der Natur. Stephan Ozsváth hat die Autorin in der Marheineke-Markthalle in Berlin-Kreuzberg - auf dem Weg zu einer Lesung - getroffen.

Mit der Übersetzerin Ursula Gräfe in Haruki Murakamis Welten

Am 12. Januar feiert Haruki Murakami nicht nur seinen 75. Geburtstag, er beschenkt sich und seine Leserinnen und Leser auch mit einem neuen Roman: "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer". Ursula Gräfe überträgt seit mehr als 20 Jahren Haruki Murakamis Bücher ins Deutsche und kennt sich aus im Kosmos des japanischen Bestseller-Autors. Zusammen mit der Übersetzerin betritt Nadine Murakamis Welten – die sich fließend im magischen Raum zwischen Wirklichkeit und Irrealem bewegen.

Mit Jan Peter Bremer im Kreuzberger Bethanien

In seinem neuen Buch kehrt der Berliner Schriftsteller Jan Peter Bremer in seine Kindheit in die Provinz zurück – sie war die Inspiration für seinen Roman "Nachhausekommen". Ein Junge zieht mit seinen Eltern in eine Künstlerkolonie im Wendland. In der Schule wird er ausgegrenzt, Weltsichten prallen aufeinander, und es dauert lange, bis er seinen Platz findet. Ein kunstvoller, melancholisch-komischer coming-of-age Roman über ein Künstlerkind, das selbst zum Künstler wird.

Anne-Dore hat Jan Peter Bremer im Kunstraum Bethanien getroffen, dort saß früher die Edition Mariannenpresse, in der 1987 Bremers erstes Buch erschien. Sie setzen sich auf die Stufen im Treppenhaus und sprechen über Kreuzberg als Sehnsuchtsort, Schreiben als Rettung und das Gefühl, an einem Ort zuhause zu sein.

Der große Orte und Worte Jahresrückblick in der Küche

Nadine, Anne-Dore und Stephan treffen sich diesmal in Nadines Küche und lassen bei Erbsenrahmsuppe, Rotkohl-Pilz-Strudel und Cremant das Literaturjahr an sich vorüberziehen. Sie erinnern sich an Begegnungen mit Autorinnen und Autoren wie Paul Maar, Judith Hermann oder Ulrike Draesner. Sie sprechen über ihre Literatur-Highlights 2023 und über Themen, die sie bewegt haben in 36 Folgen Orte und Worte. Jede Menge Büchertipps haben die drei auch versteckt und Anne-Dore hat extra eine Orte-und-Worte-Torte gebacken.

Mit Simone Hirth in der Stadtteilbibliothek in Wien-Meidling

Gott als Stalker, der per SMS ein schlechtes Gewissen macht, Adam als Gewalttäter, Eva als schwangeres Opfer in einer Gewaltbeziehung, aus der sie ausbricht. Simone Hirth schreibt in ihrem aktuellen Roman "Malus" die Bibelgeschichte von der Vertreibung aus dem Paradies in einen modernen Kontext um.

Der Hintergrund ist ein ernster: Denn jede dritte Frau wird im Lauf ihres Lebens Opfer von Gewalt. Täter sind meist Nahestehende. In Simone Hirths Roman geht es um weibliche Emanzipation, die Deutsche will "Sand ins Getriebe bringen". Seit einigen Jahren lebt sie mit ihrem Sohn in einem kleinen Ort in Niederösterreich. Stephan Ozsváth hat sie in der Stadtteilbibliothek von Wien-Meidling getroffen - Schauplatz, Inspirationsquelle und Ort der Stille.

Mit Hallgrímur Helgason im Berliner Aquarium und Zoo

Hallgrímur Helgason ist in Island berühmt und hat mittlerweile auch in Deutschland viele Fans. In seinem neuen Roman "60 Kilo Kinnhaken" erzählt der Autor, Maler und frühere Stand-Up-Comedian davon, wie Anfang des 20. Jahrhunderts die Heringe nach Island kommen und mit ihnen der Wohlstand und die Moderne. Innerhalb kurzer Zeit wurde aus einem rückständigen Fjord-Dorf eine boomende Industriestadt. Nadine hat sich mit Hallgrímur Helgason im Aquarium in Berlin getroffen. Umgeben von Fischen haben sie über seine Recherchen im Schneesturm gesprochen, über Heringe, Haie, das Island von heute und Bücher. Ein Löwe taucht auch auf – zur Freude von Hallgrímur.

Mit Christoph Peters in der Akademie der Künste

Christoph Peters hat mit seinem neuen Roman eine pointierte und hinreißend bissige Momentaufnahme der Berliner Kunst- und Kulturszene geschrieben, ein vielstimmiges Kaleidoskop mit zahlreichen Figuren. Der Roman spielt am 9.11.2021 – an diesem Tag wird abends in der Akademie der Künste ein großer Literaturpreis an einen französischen Starautor verliehen, der Knotenpunkt, der alle und alles zusammenhält. Christoph und Anne-Dore treffen sich in der Akademie der Künste und rücken sich zwei Stühle an die großen Fenster zum Pariser Platz. Sie sprechen über Wolfgang Koeppen, dessen Nachkriegstrilogie Christophs Inspirationsquelle war, über die Lebendigkeit der vielen Figuren, und Christoph erklärt, warum er den selben Parka wie Michel Houellebecq trägt.

Mit Deniz Utlu im Medizinhistorischen Museum Berlin

Deniz Utlu erzählt in seinem neuen Roman "Vaters Meer" vom Locked-In-Syndrom. Seine Hauptfigur Yunus ist 13, als sein Vater nach zwei Schlaganfällen ohne Sprache, aber bei vollem Bewusstsein, eingeschlossen im eigenen Körper zurückbleibt. Alles, was er noch bewegen kann, sind die Augen. Deniz Utlu stellt in seinem Buch nicht die Krankheit in den Mittelpunkt, sondern den Versuch des Sohnes, sich an den Vater zu erinnern und von ihm zu erzählen. Der Schriftsteller, der in Berlin lebt, arbeitet eigene Erfahrungen auf. Sein Vater litt unter dem Locked-In-Syndrom. Nadine und Deniz besuchen die Ausstellung "Das Gehirn in Wissenschaft und Kunst" im Medizinhistorischen Museum und unterhalten sich über ein Kunstwerk zum "Locked-In-Syndrom", über Buchstaben unter Weingläsern, Erinnerungsarbeit, das Schreiben und Bücher.

Mit Daniel Wisser auf dem Wiener Kahlenberg

Erik Montelius hat sich einfrieren lassen. Vielleicht gibt es ja später einmal Heilung für den an Krebs erkrankten Computerexperten. 30 Jahre später wird der Eingefrorene aufgetaut und erlebt eine Wiederauferstehung, die alle Beteiligten irritiert: Seine Frau ist mittlerweile mit seinem früheren Geschäftspartner verheiratet und nicht nur um 30 Jahre gealtert, sondern auch spießiger geworden. Alle benutzen Smartphones, Laubbläser und fahren in riesigen SUVs - für Montelius ein ökologischer Alptraum. Er ist einem Verrat auf der Spur. Die Medien machen ihn berühmt, die Geschichte seiner Wiederauferstehung macht ihn reich, aber die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen. Wie viel Zukunft hat er? Hat er noch genug Zeit für seine Rache, die süß ist … so süß wie ein Baby mit der Tochter seines früheren Geschäftspartners? Ein Schelmenroman der Extraklasse.

Mit Valery Tscheplanowa hinter den Kulissen am Deutschen Theater

Vorhang auf für Valery Tscheplanowa! Die Schauspielerin hat ihren ersten Roman geschrieben. "Das Pferd im Brunnen" erzählt das Leben von Ur-Großmutter, Oma, Mutter und Enkelin. Vier Generationen von Frauen zwischen der Sowjetunion, Russland und Deutschland, zwischen unterschiedlichen Systemen und Lebensentwürfen. Das Buch ist von Valerys eigener Biografie geprägt.

Mit acht Jahren kam sie 1980 aus Kasan nach Norddeutschland. Heute ist sie eine gefeierte Schauspielerin und lebt in Berlin. Sie nimmt Nadine mit ans Deutsche Theater, wo sie 2006 ihre Karriere startete. Gemeinsam gehen die beiden die Wege, die Valery Tscheplanowa immer gegangen ist, öffnen noch einmal die Tür zur "Hamlet"-Maschine, saugen die Gerüche von Kantine und Requisiten ein und machen es sich in der Garderobe bequem. Immer dabei: Valerys Hund, der Pudel Juri Gagarin.

Mit Alena Schröder am Märchenbrunnen

Orte und Worte besucht den Märchenbrunnen im herbstlichen Volkspark Friedrichshain – doch die Steinfiguren sind gerade für den Winter eingemottet. "Passt", sagt die Autorin Alena Schröder: In ihren Romanen geht es auch um das, was man nicht sofort sieht, um Familiengeheimnisse und Verschwiegenes. Schon in ihrem Bestseller "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" rückte sie Mütter-Töchter-Beziehungen ins Zentrum, in "Bei euch ist es immer so unheimlich still" erzählt sie jetzt von Silva und ihrer Mutter Evelyn, von einer Rückkehr und mehreren Aufbrüchen. Alena und Anne-Dore suchen sich trockene Stühle im Café Schönbrunn und sprechen über Frauenbiographien, Kindsein und Kinderhaben, Glückskäfer und das Verhältnis von Stadt und Land.

Am Sowjetehrenmal mit Sherko Fatah

Murad ist Deutsch-Kurde. Und er ist Vater. Er hat sich auf den Weg ins Kurdengebiet gemacht, um seine Tochter aus den Fängen des IS zu befreien, Naima hat sich nämlich in einen Glaubenskrieger verliebt. Wie es gelingt, sie lebend aus den Fängen der Islamisten zu befreien, erzählt Sherko Fatah in seinem jüngsten Roman "Der große Wunsch", der auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis in diesem Jahr stand. Aber es ist nicht nur eine Vater-Tochter-Beziehung, sondern auch über informelle Netzwerke, Freundschaft und über das Leben in Regionen mit fließenden Grenzen.

Mit Lizzie Doron zwischen Berlin, Tel Aviv und Frankfurt am Main

Lizzie Doron lebt in zwei Welten. Zwei Wochen im Monat verbringt sie in Tel Aviv, die anderen zwei Wochen in Berlin. Sie hat zwei Heimaten, sagt die israelische Schriftstellerin und Tochter von Holocaust-Überlebenden. Aber seit dem Angriff der Hamas auf Israel ist alles anders. Sie habe jetzt gar keine Heimat mehr, sagt Lizzie. Den Tag des Angriffs erlebte sie in Tel Aviv, konnte aber nur zwei Tage später nach Berlin fliegen. Auf der Frankfurter Buchmesse hat Nadine sich noch einmal mit Lizzie Doron getroffen. Vier Wochen nach ihrer ersten Verabredung in Lizzies Lieblingscafé in ihrem Kreuzberger Kiez. Damals haben sie sich über ihren Roman "Nur nicht zu den Löwen" unterhalten, außerdem über palästinensisch-israelische Freundschaft und die Proteste gegen die israelische Regierung.

Im Trubel der Frankfurter Buchmesse: Mit Terézia Mora auf der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat

Dieses Mal ist "Orte und Worte" da, wo fast der ganze Literaturbetrieb gerade ist: auf der Buchmesse in Frankfurt. Dort hat Anne-Dore die Schriftstellerin Terézia Mora getroffen und mit ihr über "Muna oder Die Hälfte des Lebens" gesprochen – auf der großen ARD-Bühne, auf der in diesen Tagen zahlreiche Autorinnen und Autoren vor Publikum ihre Bücher vorstellen. In ihrem aktuellen Roman schreibt Mora über eine toxische Beziehung, körperliche und seelische Gewalt, Weiblichkeits- und Männlichkeitskonstruktionen und über die Kraft des Schreibens. Terezia Mora und Anne-Dore Krohn sprechen über Moras Verhältnis zu ihrer Hauptfigur, die Suche nach der richtigen Sprache für Gewaltszenen und über Moras Verhältnis zur Buchmesse.

Mit Drago Jančar im Kaffeehaus in Ljubljana

Orte und Worte ist diesmal etwas weiter gefahren - und zwar nach Ljubljana - und das hat mehrere Gründe. Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr nämlich Slowenien - und in Ljubljana lebt einer der wichtigsten Autoren des Zwei-Millionen-Landes: Drago Jančar. Der Espresso in der „Kavarna Union“ war hervorragend - der 75-Jährige hat sich Zeit genommen für ein Gespräch im Jugendstil-Ambiente. Früher war das Jugendstil-Café ein etwas abgehalfteter Ort, wo sich die Bohème traf, Prostituierte nach Kunden suchten, heute ist das Kaffeehaus ein Touristen-Hotspot. Drago Jančar erzählte von der politischen Spaltung des Landes und deren Wurzeln im Zweiten Weltkrieg, warum sein kurzer Gefängnisaufenthalt 1974 Inspirationsquelle war und warum er nicht glaubt, dass der Auftritt Sloweniens in Frankfurt der slowenischen Literatur einen nennenswerten Schub geben wird und warum Literaturkritikerinnen ihn jetzt lieber mögen.

Der Autor: Drago Jančar ist 1948 in Maribor geboren, hat Jura studiert und als Journalist gearbeitet. Der Slowene stammt aus einer Familie mit Partisanentradition. Sein Vater gehörte dem kommunistischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer an, litt im Konzentrationslager. Fast wäre Drago Jančar in der ersten Nachwende-Regierung Kulturminister geworden - er hat sich anders entschieden - und ist darüber froh („Sonst wären all diese Bücher vielleicht nicht entstanden“). Einige Jahre war Drago Jančar PEN-Präsident seines Landes. Er hat viele Preise gewonnen, er gilt als einer der wichtigsten Autoren Sloweniens.

Zwischen Gräbern und Parkbänken ‒ Mit Bov Bjerg im Friedhofspark

Orte und Worte ist diesmal auf einem Friedhof – einem ehemaligen Friedhof in Berlin Prenzlauer Berg. Der Friedhofspark Pappelallee mit seinen alten Gräbern ist heute Denkmal, Erholungsort für Großstädter und Spielplatz für Kinder. Nadine hat sich hier mit Bov Bjerg über seinen neuen Roman "Der Vorweiner" unterhalten, eine Satire und ein Zukunftsroman. Beerdigungen sind zu hybriden Zerstreuungsfeiern geworden, die Trauer ist outgesourced und Kriege und Naturkatastrophen haben die Erde verwüstet. Bov erzählt, wie er auf dieses Szenario gekommen ist und warum er sich entschieden hat, ein ganz anderes Buch als seine Bestseller "Auerhaus" und "Serpentinen" zu schreiben. Die beiden entdecken alte Gräber, sprechen über Tod und Groteske und denken auch darüber nach, wie sie selbst einmal bestattet werden wollen.

Der Autor: Bov Bjerg ist Schriftsteller und Kabarettist. 1965 wurde er in Württemberg geboren, seit 1984 lebt er in Berlin. In den 90er Jahren gründete er hier verschiedene Lesebühnen, seit 1997 steht er beim "Kabarettistischen Jahresrückblick" mit Horst Evers, Manfred Maurenbrecher u.a. auf der Bühne. Sein zweiter Roman "Auerhaus" (2015) wurde zum Überraschungserfolg als Bestseller, Schullektüre, Theaterstoff und Film. "Serpentinen" (2020) war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Sein erster Roman "Dead Line" (2008) wurde 2021 vom Kanon-Verlag – bei dem Bjerg Mitgesellschafter ist – neu aufgelegt. "Der Vorweiner" ist sein vierter Roman.

Eine Reise in die Zukunft ‒ im Berliner Futurium mit Ilija Trojanow

Orte und Worte reist diesmal in die Zukunft. Nadine hat sich mit dem Autor Ilija Trojanow im Futurium verabredet - einem Museum in Berlin, das verschiedene Zukünfte erforscht und ausstellt. Es ist ein passender Ort, um mit Ilija Trojanow über seinen neuen Roman zu sprechen. In "Tausend und ein Morgen" schickt er Zeitreisende von der Zukunft aus zurück in verschiedene Epochen. Sein Buch ist ein Spiel der Möglichkeiten. Im Podcast gehen Ilija und Nadine durch die Ausstellung, lassen Künstliche Intelligenz auf sich wirken und sprechen über Fantasie, Utopie und Kindheitslektüren.

Füße im Sand: Mit Nele Pollatschek am Weißen See

Manchmal läuft Nele Pollatschek sogar zwei Mal am Tag zum Weißen See in Pankow, obwohl sie 40 Minuten für eine Strecke braucht - das ist ihr erprobtes Gegenprogramm zum Sitzen und Schreiben. Mit "Kleine Probleme" hat sie nun ihr drittes Buch vorgelegt: Ein Mann. Ein Haus. Ein Tag. Eine To-Do-Liste. Ihre liebenswerte und sehr lebensnahe Hauptfigur Lars Messerschmidt versucht, alles zu erledigen, was schon lange liegengeblieben ist: Putzen, die Steuer, ein Bett aufbauen. Mit dem Rauchen aufhören. Und das Lebenswerk, das muss er ja auch noch schreiben.

Nele Pollatschek und Anne-Dore Krohn treffen sich am Weißen See und unterhalten sich im Liegestuhl über große und kleine Probleme: Alltagsbewältigung, Langzeitbeziehungen, To-Do-Listen, Marie Kondo und die Frage, wieviel von Neles Seele in ihrer Hauptfigur steckt.

Unter Mecklenburger Apfelbäumen mit Angelika Klüssendorf

Weite Wiesen, bezaubernde Baumalleen, romantische Wälder – so idyllisch wohnt Angelika Klüssendorf. 2018 ist die Autorin der "Mädchen"-Trilogie von Brandenburg in ein kleines Dorf in Mecklenburg gezogen. Hier ist ihr neues Buch entstanden: "Risse", das auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis steht. Wie wahr oder wahrhaftig kann und soll autofiktionale Literatur sein? Bei einem Mittagessen unterhalten sich Angelika Klüssendorf und Nadine Kreuzahler darüber, sie pflücken Äpfel und entdecken eine gemeinsame Vorliebe beim Lesen.

Please leave the bus hier – im "großen Gelben" mit Susanne Schmidt

Orte und Worte fährt diesmal Bus, und zwar mit der Bestsellerautorin und früheren Busfahrerin Susanne Schmidt. Stephan ist mit ihr in den „großen Gelben“ der Linie M19 eingestiegen – die 26 Haltestellen von Berlin-Kreuzberg bis zu den Villen in Grunewald entsprechen einer Sozialsafari. Der Bus ist der demokratische Gleichmacher: Hier fahren Alt und Jung, Arm und Reich mit. Susanne Schmidt erzählt, wie "butterweich" sich ein Doppeldecker fährt, vom "Flanieren" und warum Spitzenpolitiker öfter mal Bus fahren sollten.

50 Jahre Sams: Im Arbeitszimmer von Paul Maar

Orte und Worte geht dieses Mal nach Bamberg. Anne-Dore besucht den berühmten Kinderbuchautor Paul Maar in seinem Arbeitszimmer in der Altstadt und spricht mit ihm darüber, wie das ist, wenn das Sams seit 50 Jahren Teil der Familie ist. Maar erzählt von seiner Kindheit, den vielen Briefen, die er beantwortet und verrät, warum die blauen Punkte beim Sams erst ein Versehen waren.

Alle älteren Folgen des Podcast "Orte und Worte" finden sich in der ARD Audiothek zum Nachhören.

Orte und Worte, die Schreibende damit verbinden

Unsere Hosts Nadine Kreuzahler, Anne-Dore Krohn und Stephan Ozsvath treffen unsere Gäste an Plätzen, die wichtig sind als Schauplatz oder Inspiration, mit dem Schwerpunkt in Berlin und Brandenburg. Die Challenge: Die Hosts stellen das aktuelle Buch in einer Minute vor. Das Extra: Host und Gast bringen ihre persönlichen aktuellen Lieblingsbücher mit.

Credits

rbb | 2023 | 14-täglich
Hosts: Nadine Kreuzahler, Anne-Dore Krohn, Stephan Ozsvath
Eine Produktion des rbb, Rundfunk Berlin-Brandenburg

Logo rbb (Bild: rbb)
Ein junger Mann liegt lesend auf einem Sofa. Young man relaxing on sofa with book.

Themenwelt Literatur

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