Debatten-Podcast

Was geht – was bleibt?

Was sagt das Gegenwartskino aus über unser Verhältnis zum Militär? Warum erscheinen zurzeit so viele autobiografische Romane? Was machen NFTs mit dem Kunstmarkt? Autorinnen und Autoren aus der SWR2-Redaktion Aktuelle Kultur verfolgen den Zeitgeist, mal feuilletonistisch, mal nüchtern auf den Punkt, immer interessiert. Der Podcast spürt dem hinterher, was wichtig bleibt vom aktuellen Kulturgeschehen.

Protest in China - Im Überwachungsstaat schlicht zum Scheitern verurteilt?

Unerhört - in China skandieren in mehreren Städten gleichzeitig Menschen "Nieder mit der KP". Das hat in dieser Form wohl niemand kommen sehen. Und doch muss man sich fragen, wie nachhaltig dieser Protest sein kann. Welches Risiko gehen die Menschen in einem autoritären Überwachungsstaat ein, wenn sie ihre Kritik an den politischen Verhältnissen äußern? Werden sie es weiter eingehen, auch wenn sie persönliche Konsequenzen fürchten müssen? Die Regierung streue Angst und Unsicherheit, sagt Christian Göbel. Der Professor für Sinologie erforscht an der Uni Wien Protestbewegungen in China. Technisch sei nun mal alles möglich. Da sind Drohnen, die im Lockdown durch Häuserschluchten fliegen und Durchsagen verbreiten, erst der Anfang. Eine dystopische Science-Fiction, die wir mit etwas Schauern näher kennenlernen. Aber wir hören auch, wie kreativ und ironisch einige Chinesen die Zensur umgehen - und was das alles mit Pu der Bär zu tun hat.

Klimaflucht ins Metaversum: Kompletter Realitätsverlust oder wirklicher als die Wirklichkeit?

Der kleine pazifische Inselstaat Tuvalu wird bei steigendem Meeresspiegel bald untergehen. Um sich zu retten, flüchtet das Land in die virtuelle Welt und gründet während der Weltklimakonferenz die erste digitale Nation im Metaversum. Aber geht das überhaupt? Und wie real ist für die Menschen diese virtuelle Realität? "De facto kann man nicht den ganzen Staat im Internet nachbilden. Aber diese Symbolik hier ist extrem wichtig”, sagt Prof. Matthias Kettemann vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und klärt in diesem Podcast darüber auf, was geht für einen Staat. Und was nicht. Bleiben wird auf jeden Fall die Idee, zumindest als Privatperson ins Metaversum zu ziehen. Der Philosoph Dominik Erhard hat es schon ausprobiert, spricht in dieser Folge darüber, wie real virtuelle Realität sein kann, und rät: "Wir tun gut daran, virtuelle Realitäten auch als real wahrzunehmen.”

Millennials im Bundestag: Welche Macht haben die jungen Abgeordneten?

2022 sind in Deutschland so viele Millennials an der Macht wie noch nie. Von den 736 Abgeordneten, die im Bundestag in dieser Legislaturperiode sitzen, sind 125 von ihnen unter 35 Jahre alt. Einige dieser jungen Abgeordneten hat die junge Journalistin Livia Gerster für ihr Buch "Die Neuen” getroffen. Sie wollte herausfinden, was diese Millennials antreibt und wer sie sind. "Die jungen Politiker:innen zeigen sich auf Social Media super professionell”, sagt sie im Podcast, "und ich frage mich, wie ältere Politiker:innen ohne sowas anschlussfähig bei Jüngeren bleiben wollen”. Eine dieser jungen Politiker:innen ist Rasha Nasr (30) von der SPD. Beide sprechen in "Was geht, bleibt?" darüber, welche Macht die jungen Abgeordneten haben, wie das Aufeinandertreffen von Boomern und Millennials im Bundestag war und wie wichtig ein gelungener Social Media-Auftritt ist: "Ich möchte mich nicht verbiegen”, sagt Rasha Nasr und beschreibt, wie wichtig Authentizität für ihre jüngere Generation ist.

Musik und Protest: Welche Lieder braucht es für eine Revolution?

Im Iran gehen seit Mitte September jede Woche zehntausende Menschen auf die Straße - gegen die Unterdrückung von Frauen, gegen das Regime als Ganzes. Davon, und von der brutalen Niederschlagung der Proteste, bekommen wir hier nur Bruchstücke zu sehen, weil das Regime das Internet drosselt und fast keine unabhängigen Journalist*innen mehr vor Ort sind. Was bei uns ankommt: Die Musik der Revolution, so wie die Hymne "Baraye" von Shervin Hajipour. Welche Bedeutung hat diese Musik für die Prostest - und wie hängen Musik und Protest überhaupt zusammen?

Warenhäuser im Wandel: Aufbruch in eine neue Erlebniskultur?

Der Online-Handel boomt, der stationäre Handel ist gerade in der Pandemie dramatisch eingebrochen. Und ein Symptom dessen tritt gerade wieder offen zutage: Galeria Karstadt Kaufhof ist wieder insolvent - das Ziel des Verfahrens lautet Sanierung. Aber wie wäre es gleich mal mit der Komplettsanierung aller deutschen Innenstädte? Wie macht das Einkaufen in den immer gleichen, erlebnisarmen Shoppingmeilen der Republik wieder Spaß? Was könnte kommen, wenn die Konsumtempel weichen? Dazu haben befragen wir den Stadtplaner Thomas Krüger, den Konsumforscher Dirk Hohnsträter und die stellvertretende Direktorin des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, Andrea Jürges.

Klimaprotest und beschmierte Kunst: Wie weit muss ziviler Ungehorsam gehen?

Blockierte Autobahnen und Unternehmenszentralen, Tomatensuppe auf einem Van Gogh und Kartoffelbrei auf einem Monet-Gemälde - die Aktionen von Klimaschützern werden immer radikaler. Einigen Medien, Politikern und Bürgern fehlt das Verständnis für die Proteste der "Letzten Generation", auch innerhalb der Klimabewegung gibt es unterschiedliche Haltungen dazu, wie weit Protest gehen darf.

Die 20-Stunden-Woche für alle - Mehr als eine Utopie?

Wir wollen in dieser neuen Folge endlich mal ein bisschen träumen, und natürlich auch realistisch prüfen: Wäre es machbar, dass alle weniger arbeiten? Denn das ist ja fast schon der Zeitgeist: Ein Termin jagt den nächsten und Freizeit, auch Freunde, müssen hinten anstehen. Außerdem ist Arbeit noch sehr ungleich und ungerecht verteilt. Viele Menschen arbeiten sehr viel mehr als andere - dafür aber schlechter bezahlt. Da hilft auch die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit nicht.

Kreativität und KI: Ist Maschinenkunst auch Kunst?

Programme wie Dall-E oder Midjourney revolutionieren die Art und Weise wie Kunst hergestellt wird. Es braucht nur noch eine Eingabe, einen Prompt, der das gewünschte Bild präzise beschreibt und in Windeseile spuckt der Algorithmus passende Darstellungen aus. Gerade hat Google ImaGen vorgestellt, das bewegte Bilder herstellt, Videos zu bauen ist also auch kein Problem mehr. Schon lange gibt es automatische Textgeneratoren wie GPT-3. Die Zukunft ganzer Berufszweige der Kreativbranche scheint bedroht zu sein.

Literaturnobelpreis an Annie Ernaux: Erfinderin der modernen Autofiktion

Das Nobelpreiskomitee lobt ihren Mut und die "klinische Schärfe" mit der Annie Ernaux "Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Beschränkungen der persönlichen Erinnerung aufdeckt". Sie selbst sagt, sie habe angefangen zu schreiben, um ihre Klasse zu rächen. In ihren Büchern hat die frisch gebackene Nobelpreisträgerin persönliche Erinnerungen aufgezeichnet, und dabei immer ihre eigene Position als Frau innerhalb der französischen Gesellschaft genau verortet.

"Frauen, Leben, Freiheit": Schreibt der Iran gerade feministische Weltgeschichte?

Eine junge Frau ohne Kopftuch, die auf dem Dach eines Autos steht und "Tod dem Diktator" ruft. Zwei Frauen, die ohne Kopftuch frühstücken gehen. Frauen, die gegen die allgegenwärtige Sittenpolizei protestieren. Noch vor kurzer Zeit wäre all das im Iran undenkbar gewesen. Seit etwa zwei Wochen ereignen sich derartige Szenen in der Islamischen Republik immer wieder. Auslöser der Proteste war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini, die von der Sittenpolizei festgenommen wurde und später im Krankhaus starb. Die daraus entstandenen Proteste berühren einen Kernbestandteil der Islamischen Republik: die Pflicht für Frauen, ein Kopftuch zu tragen.

Die documenta fifteen endet: Was bleibt von der deutschen Erinnerungspolitik?

Die documenta fifteen geht zu Ende - und nicht wenige Menschen würden jetzt hinzufügen: endlich. Was geht, wenn die größte deutsche Kunstausstellung für viele ein Fiasko ist? Die eine Seite beklagt, mit der Documenta habe man Antisemitismus in Deutschland wieder öffentlich ausstellen können, während die andere Seite meint, hinter der Kritik an den Künstler:innen stünde Rassismus. Ein Scherbenhaufen also, zumindest in der öffentlichen Debatte. Und was bleibt nun im Nachhinein von dieser documenta fifteen?

Jean-Luc Godard ist tot: Stirbt mit ihm das Kino?

Eine Ära geht zu Ende, mit dem Tod von Jean-Luc Godard. Am 13. September ist der französische Filmemacher gestorben. Einer der wichtigsten Filmregisseure überhaupt war er, einer, der das europäische Kino revolutioniert hat. Ein Genie, das man nicht imitieren kann, sagt der Filmregisseur Volker Schlöndorff. Godard sei einer, "der konnte nicht anders": "Er lebte in seiner eigenen Welt. Er war nicht kommunikativ. Er lebte von und für das Kino." Aber ist er ab jetzt einfach ein Klassiker unter anderen Klassikern? Der Kulturtheoretiker und Autor Klaus Theweleit glaubt das nicht, er wünscht sich nur mehr Mut bei neuen Produktionen: "Die Filme, die man heute sieht, sind ja nicht schlecht gemacht. Das sind perfekt gemachte Filme, aber wir kennen eigentlich alles, was wir angeboten bekommen." Was wir jetzt im Kino oder auf Streaming-Plattformen gezeigt bekommen, sei immer "auf’s Auge gehauen".

Tinder wird zehn - Freiere Liebe oder profaner Konsum?

Swipen und matchen - Die beliebteste Dating-App feiert ihren 10. Geburtstag: Tinder hat das Onlinedating zum Massenphänomen gemacht. Wie hat sich unsere Liebe dadurch verändert? Das Computer-Dating hat schon in den 1960er Jahren begonnen, wie uns der Historiker Michael Homberg erzählt. Die Sozialpsychologin und Paartherapeutin Johanna Degen beschreibt das Phänomen der "Tinder fatigue": "Man erlebt sich selber als ein Produkt auf einem Markt und das schreibt sich in die Beziehung fort." Im Moment überwiege der Stress. Und in Zukunft? "Das geht erstmal neoliberal-kapitalisitisch weiter. Die Erschöpfung ist da nicht: Oh, wir gehen offline daten. Sondern sie führt zu: Wann kommt eine bessere App?"

Mythos Italien: Spott oder Verehrung?

"Spätestens seit Goethe ist Italien für Deutsche eine Projektionsfläche, ein Ort, wo Sehnsüchte wahr werden", sagt Alessandro Melazzini, Regisseur, Filmproduzent und Italiener. Seit 23 Jahren lebt er in Deutschland. Italienische Kultur ist hier sehr präsent. Das hat mit den Gastarbeitern der Nachkriegszeit zu tun, und mit der deutschen Faszination für Italien als Urlaubsziel. Deutschland ist voller italienischer Modegeschäfte, Restaurants und Eisdielen, die "nicht nur Eis verkaufen", so Melazzini, "sie verkaufen auch die Versprechung, näher zu Italien zu sein". Auch immer mehr deutsche Bands singen auf Italienisch oder versuchen italienisch zu klingen: Wanda, Roy Bianco und die Abbrunzati Boys oder Sportfreunde Stiller. Ist das Kulturelle Aneignung? Der Journalist Jens Balzer hat gerade ein Buch über die "Ethik der Appropriation" geschrieben und versucht eine Antwort.

Genderfluide Mode: Männer mit Röcken und Perlenketten als Zeichen des Identitätswandels?

Erst waren es Pastelltöne und lackierte Fingernägel, zunehmend eigenen sich Männer auch Perlenketten und Röcke an. Längst nicht mehr nur Brad Pitt und Lars Eidinger tragen Kleider, die früher alleine Frauen vorbehalten waren - und das wirkt in die Gesellschaft. Und auch Harry Styles - eines der Role-Models der Generation Z - singt klar: "Ihr wisst, es ist nicht mehr so, wie es war." Gerade bei den ganz Jungen herrscht ein viel weicheres und fluideres Männlichkeitsbild vor als wir es gewohnt sind, sagt Carl Tillessen, Trendanalyst vom Deutschen Mode-Institut: "Das ist etwas, was diese Generation wirklich mit in die nächsten Jahrzehnte hineintragen wird." Allerdings ist dieses fluide Männlichkeitsbild noch längst kein Massenphänomen, sagt die Kunsthistorikern Anne Söll: "Solange Herr Habeck nicht mit lackierten Fingernägeln in den Tagesthemen auftritt, haben wir hier es mit keinerlei großem Wandel zu tun."

Rückgabe von Raubkunst: Dekolonisierung oder reine Symbolpolitik?

"Wir haben uns angewöhnt, dass wir uns holen, was wir brauchen und das auch von anderen Kontinenten. Das geht nicht mehr, das führt unseren Planeten in die Katastrophe", sagt der Historiker Jürgen Zimmerer. Für uns ordnet er ein, wie die Kolonialzeit und das Ausbeuten von Regionen im Globalen Süden mit dem Klimawandel zusammenhängen und erklärt, warum es so lange gedauert hat bis zur Rückgabe von Raubkunst aus Afrika. Einer der bekanntesten Fälle sind die Benin-Bronzen. Frankreich hat seine schon weitgehend restituiert. Deutschland arbeitet noch dran. Aber wie kamen die wertvollen Bronzen überhaupt nach Europa? Darüber sprechen wir mit Amina Aziz. Sie hat die Geschichte für den ARD-Kultur-Podcast "Akte: Raubkunst?" recherchiert und schildert den gewaltvollen Weg einiger Benin Bronzen aus dem heutigen Südwesten Nigerias nach Deutschland.

Der Fall Patricia Schlesinger: Wie muss sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk verändern?

Die Kontrollgremien der Rundfunkanstalten müssen besser ausgestattet werden, meint der Medienjournalist Stefan Niggemeier. Im Fall um die scheidende RBB-Intendantin Patricia Schlesinger stehen Vorwürfe von Vetternwirtschaft im Raum. Das befeuert die Debatte um bessere Kontrolle, aber auch die Grundsatzdebatte über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Allerdings muss die Antwort darauf nicht unbedingt lauten "weniger Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk". Das erklärt die Kommunikationswissenschaftlerin Christiane Eilders in dieser Folge.

Kartoffel-Streit um Ferda Ataman: Schadet Identitätspolitik der Debattenkultur?

Das Schimpfwort "Kartoffel" irritiere viele Deutsche, weil sie es als Teil der Mehrheit nicht gewohnt seien, mit gruppenbezogenen Schimpfwörtern bedacht zu werden. Das erklärt der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. Anders als ein klassisches Schimpfwort, zum Beispiel "Arschloch", würdigt "Kartoffel" eine ganze Gruppe von Menschen herab. Die Debatte ist hochgekocht, im Zuge der Wahl von Ferda Ataman zur Antidiskriminierungsbeauftragten der Bundesregierung. Ataman hatte sich in einem Blogbeitrag mit dem Gebrauch des Schimpfworts auseinandergesetzt, eine Vielzahl an Kritikern hatte ihr das zum Vorwurf gemacht. Eine von vielen Debatten, die identitätspolitisch angeheizt, die eigentliche Sache aus dem Fokus zu verlieren drohen. Andrea Römmelin erklärt im Podcast, warum das nicht nur schlecht ist für die Debattenkultur.

Globalisierung auf dem Filmmarkt: Wo bleibt Deutschland?

Der Filmmarkt ist heute globaler denn je. Schon längst produziert selbst Hollywood viel mehr für die Welt als für den amerikanischen Markt. Wir gehen der Frage nach, wie sich Deutschland in diesem Spiel positioniert. Filmkritiker Wolfgang M. Schmidt erklärt, wie sich die globale Filmlandschaft in den letzten Jahren gewandelt hat. Christoph Müller von Constantin-Film und Fabian Gasmia von Seven Elephants schildern wie sich deutsche Produzenten darauf einstellen.

Antisemitismus: Die Desaster-Documenta

Monatelange Warnungen und Debatten und dann ist es genauso gekommen: Antisemitische Abbildungen auf der Documenta. Der Schaden für die weltweit wichtigste Kunstausstellung ist enorm. Zu allem Überfluss fehlt eine Person, die klar die Verantwortung übernimmt, sagt Jan Tussing im Podcast. Außerdem erklärt Andrea Geier, Kulturwissenschaftlerin von der Uni Trier, die vertrackte Geschichte des Antisemitismus in antikolonialen Kontexten.

Debatte um LaMDA - Haben Algorithmen Gefühle?

Google-Mitarbeiter Blake Lemoine wurde suspendiert, weil der Chatbot LaMDA aus seiner Sicht ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat. Er fordert: LaMDA müsse weiteren Experimenten zuerst zustimmen. Das wirft weitreichende ethische Fragen auf, denn wenn Algorithmen leiden, folgt eine moralische Verpflichtung das zu unterbinden. Kognitionsforscher Thomas Metzinger führt ein in die Debatte und Literaturwissenschaftler Philipp Theison erklärt wie Science Fiction-Autoren hier schon viele Fälle durchgespielt haben.

Blinder Fleck der Erinnerungskultur: Unser kolonialistischer Blick nach Osteuropa

Ein Interview mit Timothy Snyder in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat Wellen geschlagen: In der vielgepriesenen deutschen Erinnerungskultur soll eine Lücke klaffen. Übersieht Deutschland die eigene koloniale Tradition in Osteuropa? Wenn ein renommierter Yale-Historiker das sagt, muss was dran sein, oder? Seine Fachkollegin Franziska Davies stimmt ihm grundsätzlich zu, widerspricht aber auch: Es sei sicher nicht Hitlers Hauptziel gewesen, die Ukraine zu kolonisieren. Dennoch, ist auch heute noch unser Blick nach Osteuropa und unser Umgang mit Osteuropäer*innen kolonialistisch? Eine Frage für den Transformationsforscher Jannis Panagiotidis.

#IchBinArmutsbetroffen trendet: Wieso ist das Thema so schwierig?

Der Hashtag #IchBinArmutsbetroffen trendet auf Twitter und macht auch eines deutlich: Wir schaffen es als Gesellschaft meist nicht, uns ehrlich mit Armut auseinanderzusetzen. Ein Grund könnte sein, dass Medien und Literatur nur selten arme Menschen in den Blick nehmen - und wenn dann gern in trashigen Formaten wie "Hartz aber herzlich". Aber das geht besser, oder?

Annie Ernaux' neues Buch: Warum boomt autobiografische Literatur?

Als "faktisch, unsentimental und präzise" beschreibt Literaturkritikerin Iris Radisch den Schreibstil von Annie Ernaux. Sie hat schonungslos über ihr eigenes Erleben geschrieben. Eine Herangehensweise die viele zeitgenössische Schriftsteller beeinflusst. In "Was geht, was bleibt" erklärt Literaturwissenschaftlerin Lea Sauer, warum autobiografische den Nerv der Zeit treffen und Schriftsteller Yannic Han Biao Federer erläutert, warum diese Texte helfen können mit den Zumutungen der Gegenwart besser umzugehen.

Top Gun: Maverick kommt in die Kinos - Neuer Krieg und alte Helden?

Tom Cruise bringt nach 36 Jahren die Fortsetzung von Top Gun in die Kinos - und das zu einer Zeit, in der wir uns wegen des Ukraine-Kriegs wieder nach Helden in Kampfanzügen zu sehnen scheinen. Wie wirken actiongeladene Kriegsfilme auf uns, wenn wir doch ständig mit realen Bildern des russischen Angriffs in den Nachrichten konfrontiert sind? Und ist das eigentlich Propaganda fürs Militär?

Zeitenwende: Was bleibt übrig vom deutschen Pazifismus?

"Nie wieder Krieg", das war mal so etwas wie der Grundkonsens der alten Bundesrepublik. Bis in die Gegenwart sind Teile der Popkultur in Deutschland pazifistisch geprägt. Durch Ukraine-Krieg und "Zeitenwende" scheint diese Position derzeit in Bedrängnis. Was bleibt übrig vom Pazifismus in Deutschland?

Friede, Freude und Lumbung? Streit um Antisemitismus auf der Documenta

Solidarisch, bürgernah. und vor allem: ganz anders. So sollte die documenta fivteen in diesem Jahr werden -kurz vor der Eröffnung der wichtigen Ausstellung zur Gegenwartskunst aber sieht sich das indonesische Kuratorenkollektiv Ruangrupa mit einer Debatte um Antisemitismus konfrontiert. Was ist an den Vorwürfen dran? Das untersucht diese Folge von Was geht, was bleibt - im Gespräch mit Elke Buhr vom Monopol-Magazin, dem Publizisten Micha Brumlik und der Kunsthistorikerin Dorothee Richter. Zaungast ist Joseph Beuys.

Disclaimer: Bei der Documenta gibt es großen Streit um ein Bild das eindeutig antisemitische Darstellungen enthält. Diese Podcastfolge ist Anfang Mai entstanden, die beteiligten Interviewpartner diskutieren dementsprechend die Vorwürfe, die zu diesem Zeitpunkt bekannt waren.

Alleinherrscher Elon Musk: Versinkt Twitter bald in der Schreispirale?

Elon Musk will Twitter kaufen. Für viele Verfechter der Meinungsfreiheit ist das eine gute Nachricht. Schließlich sagt Musk, er gehe diesen Schritt vor allem um "free speech" zu fördern. Allerdings könnte sich Musks Vorstellung von freier Rede als etwas naiv erweisen, erklärt Netzaktivistin Katharina Nocun in "Was geht - was bleibt?". Und der Kulturwissenschaftler Michael Seemann vermutet, dass Elon Musk diesen Schritt noch bereuen könnte.

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Moderation und Redaktion: Philine Sauvageot, Max Knieriemen, Jan Tussing, Christian Batzlen, Kristine Harthauer, Daniel Stender, Max Bauer u.v.m.
Eine Produktion von SWR2, Südwestrundfunk

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